konservative Behandlung von Venenerkrankungen

Kompressionsbehandlung bei Venenleiden

(sil) Die Kompressionsbehandlung, auch konservative, das heißt bewahrende Therapie genannt, ist die Basisbehandlung venöser Beinleiden und wird auf dreierlei Weise durchgeführt. Zum einen mit Bindenverbänden, zum anderen mit Kompressionsstrümpfen. Die dritte so genannte intermittierende pneumatische Kompressionstherapie wird manuell oder maschinell ausgeführt, wobei abwechselnd der Druck gesteigert und gesenkt wird. Die physikalische Wirkung der Kompression basiert auf dem festen Druck, der auf das Bein ausgeübt wird. Die positiven Auswirkungen sind:

  • Der Querschnitt der krankhaft erweiterten Venen wird verringert. Die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes erhöht sich, der Rücktransport des Blutes zum Herzen wird beschleunigt.
  • Die Arbeit der Wadenmuskelpumpe wird durch das feste Widerlager, das die Kompression bietet, unterstützt.
  • Die Einengung der Venen führt dazu, dass die Venenklappen in ihrer Funktion unterstützt werden bzw. wieder schließen können.
  • Die venöse Stauung wird beseitigt; Flüssigkeitsansammlungen und Schlackenstoffe werden abtransportiert.
  • Neuen Stauungen wird vorgebeugt.

Während die Bandagen vorwiegend für einen begrenzten Zeitraum angelegt werden, ist die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen als dauerhafte Behandlungsmethode gedacht. Die apparative intermittierende Kompressionstherapie (AIK) als Ergänzung zur manuellen Entstauungsbehandlung hat sich mittlerweile sehr gut etabliert. Zusammenfassend sind die drei Ziele der Kompressionstherapien das Ausschwemmen von Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen), die Funktion der geschädigten Venenklappen zu verbessern und somit den Blutrückfluss in den Venen zu fördern.

Bindenverbände

Im Gegensatz zu den Wundverbänden mittels Binden oder Verbandpäckchen, erfordert das Anlegen von Kompressionsverbänden einige Übung und Erfahrung. Je nach Ausprägung der Venenerkrankung, ihrer Lage und Schwere, wird man zu entscheiden haben, welche Bindenart, wie Kurzzug- oder Langzug-Binden, und welche Verbandstechnik beim Wickeln angewandt werden muss. Die Therapie mit Kompressionsbandagen ist üblicherweise nur auf einen begrenzten Zeitraum von höchstens 4 bis 8 Wochen ausgerichtet. Zum Beispiel unmittelbar nach operativen Eingriffen oder bei akuten noch nicht ausreichend versorgten Beschwerden, wie oberflächlichen Venenentzündungen. Auch beim so genannten offenen Bein, dem Ulcus cruris venosum, ist die Kompression die erste Behandlungsmaßnahme. Wenngleich von vielen Patienten das Tragen von Verbänden in der Öffentlichkeit oftmals als störend, ja abstoßend empfunden wird, sollten sie dennoch wissen, dass eine konsequente Kompressionstherapie mit Binden einen baldigen Heilungserfolg herbei führen kann.

Dauerverband

Der elastische Dauerverband sollte von Ärzten oder besonders geschulten medizinischen Mitarbeitern angelegt werden, denen die speziellen Erfordernisse des Patienten bekannt sind. Der fein dosierte Druck an den verschiedenen Beinpartien muss den individuellen Anforderungen angepasst werden, um Schmerzen und mögliche Schäden, wie Abschnürungen zu vermeiden. Mit den Langzug-Binden wird ein hoher Ruhedruck erzielt, wie er beispielsweise bei bettlägerigen Patienten erforderlich ist. Um eine entstauende Wirkung zu erreichen, bleibt dieser Kompressionsverband oftmals mehrere Tage und Nächte lang angelegt. Beim Erneuern des Verbandes zeigt sich am Umfang des Beines, ob und wie lange ein neuer Verband anzulegen ist.

Wechselverband

Die Wechselverbände können von den Patienten oder Angehörigen selbst angelegt werden. Die erforderliche Technik mit diesen wenig elastischen Kurzzug-Binden ist bei Weitem einfacher als beim Dauerverband und kann mit etwas Übung leicht erlernt werden. Außerdem muss der Wechselverband nur tagsüber getragen werden. Der “Ruhedruck” zum Beispiel im Liegen, ist weniger zu spüren als der “Bewegungsdruck” beim Laufen oder sonstigen Aktivitäten. Bei Bewegung und Belastung fördert hier der Kompressionsverband die Tätigkeit der Fuß- und Waden-Muskelpumpen sehr vorteilhaft.

Kompressionsstrümpfe

Lassen Sie zu Beginn die Stütz- oder Reisestrümpfe erwähnen, die mit den medizinischen Kompressionsstrümpfen nicht zu verwechseln sind. Diese Stützstrümpfe sind als Erleichterung und zur Entstauung bei weitgehend Venengesunden gedacht, die lange stehen oder sitzen müssen oder zum Beispiel eine längere Flugreise unternehmen. Diese oftmals auch Reisesocken genannten Stützstrümpfe können sie in allen einschlägigen Geschäften kaufen.

AktivSocken

Foto: CMS/TeVeno

Seit kurzem gibt es auch AktivSocken, die mit einem neuen Konzept eine Alternative zu Stützstrümpfen aber auch zu Kompressions-Strümpfen der Klassen I und II sein können. Sie lassen sich sehr angenehm wie normale Socken tragen. Ein eingenähtes, luftgefülltes Fersenpolster in Verbindung mit einem Luftpolster für den Bereich des Innenknöchels übt Druck auf das Venensystem aus. Damit können Sie bei jedem Schritt durch Bewegung des Fußes, den physiologischen, venösen Rückfluss über die tiefen Beinvenen optimal unterstützen. Eine angenehme Methode, auch um die häufigen Beschwerden von schweren, müden Beine zu lindern oder gar zu vermeiden.

Medizinische Kompressionsstrümpfe

Foto: djd/Ofa Bamberg

Die medizinischen Kompressionsstrümpfe hingegen werden für sie auf Rezept ihres Arztes individuell angemessen und hergestellt. In Sanitätshäusern und Apotheken finden sie eigens ausgebildete Fachkräfte, die ihre Beine an den erforderlichen Stellen mit besonderen Geräten vermessen, den nötigen Druck ermitteln und diese Daten schließlich an den Strumpfhersteller übermitteln. So soll der Kompressionsdruck an den Fußfesseln (100 %) am stärksten sein, um dann über die Knieregion (70 %) zum Oberschenkel (40 %) systematisch abzunehmen. Somit wird der Blutfluss aus der untersten Region des Beines nach oben und schließlich zum Herzen gelenkt. Da die Ausprägung der Venenprobleme unterschiedlich ist, wie nur oberflächlich bei den einen und bei den anderen teils sehr tief gehend mit Neigung zu Schwellungen etc., müssen auch die Gestricke entsprechend klassifiziert werden. So gibt es vier Kompressionsklassen für die erforderlichen Behandlungsstufen. Der Druck wird standardisiert in Millimeter Quecksilber-Säule (mm Hg) angegeben. Siehe Kasten “Kompressionsklassen”. Nach ein bis zwei Wochen erhalten sie ihre maßgeschneiderten Strümpfe. Beim Abholen und der Anprobe wird ihnen ausführlich das An- und Ausziehen, gegebenenfalls mit Hilfsmitteln, sowie die Pflege der Strümpfe erläutert.

Material und Strumpfarten

Die gefürchteten Zeiten der Gummistrümpfe sind ein für alle Male vorbei. Dies ist eine wichtige Nachricht für alle, die immer noch besorgt sind, derartige Hilfsmittel anwenden zu müssen. Heute gibt es bei den Kompressionsstrümpfen eine große Variationsbreite von Materialien (wichtig aus medizinischen Gründen, ob rund oder längs gestrickt) und Arten, die sich am jeweiligen Bereich des Beines, das heißt der Lage des Venenproblems orientieren. So werden zum Beispiel zielgerichtet Strumpf-Varianten für den Unterschenkel als Knie- oder Wadenstrumpf, zur Versorgung des gesamten Beins als Oberschenkelstrumpf oder als Strumpfhose, auch mit einer besonderen Version für Schwangere, angeboten.

Bei den Herstellungsverfahren unterscheidet man so genannte rundgestrickte und flachgestrickte Strümpfe. Während die rundgestrickten nahtlosen Kompressionsstrümpfe in ihrer Elastizität vom Fesselbereich bis zum Oberschenkelbereich etwa den dreifachen Umfang bieten, sind die Möglichkeiten der im Flachstrickverfahren hergestellten Strümpfe deutlich größer.

Mit neuen Materialien, wie Mikrofasern und modernster Technologie hat man in den letzten Jahren lang gehegte Forderungen der Betroffenen erfüllt. Einerseits sollen die medizinischen Ansprüche an die Strümpfe erfüllt werden, andererseits sind die Wünsche nach moderner Optik, aktuellen Farben aber auch unterschiedlichen Modellen nunmehr befriedigt. Feinere und transparentere Materialien, die hautschonend einen hohen Tragekomfort bieten, sind in klassischem Schwarz oder Marine und den aktuellen Modefarben sowie Naturtönen erhältlich.

AIP|AIK - Apparative Intermittierende Kompression

Die Anwendung pneumatischer Wechseldruckgeräte in der medizinischen Versorgung nahm ihren Anfang in der Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Durch mechanische Unterstützung mittels Saug- und Treibpumpen oder Luftkissen sollte der periphere, das heißt außenliegende Kreislauf beeinflusst und somit Thrombosen verhindert werden. Erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden technisch bedeutende Schritte mit der Einführung der doppelwandigen aufblasbaren Bandagen gemacht. Waren es am Anfang Manschetten, die nur eine Luftkammer hatten, brachte es die schnelle Weiterentwicklung zum Drei-Kammer- und schließlich zum Zwölf-Kammer-System.

Beim liegenden Patienten wird die Manschette über das ganze Bein einschließlich den Fuß gezogen. Nun werden die Kammern abwechselnd mit Luft gefüllt und entleert. Der Druckauf- und abbau, die Pausen sowie die Behandlungsdauer pro Sitzung sind von der ärztlichen Diagnose abhängig. Der Höchstdruck sollte 100 mm Hg nicht übersteigen. Die Behandlungsdauer beträgt normalerweise 30 bis 45 Minuten. Im Anschluss sollten noch im Liegen die Kompressionsstrümpfe angezogen werden.

Die modernen Mehrkammer-Kompressionsgeräte können stufenweise von körperfern zu körpernah den strömungsmechanischen Effekt auf das venöse und lymphatische System entfalten und somit jegliche Ödeme ausschwemmen. Zur Thromboseprophylaxe und zur regelmäßigen Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz ist die apparative intermittierende Kompression (AIK) ideal. Diese Behandlung ist auch im häuslichen Umfeld möglich, nachdem es mittlerweile entsprechende transportable Geräte verschiedener Hersteller gibt. In jedem Falle ist die Anwendung jedoch erst nach ärztlicher Abklärung durchzuführen. Auch müssen jegliche Kontraindikationen, das heißt ausschließende Krankheitsbilder berücksichtigt werden.
(sil)